Auf dem Wiener Höhenweg durch die Schobergruppe

Der Wiener Höhenweg befindet sich nicht, wie wahrscheinlich manche meinen, vor den Toren Wiens, sondern in einer der ursprünglichsten und wohl beeindruckensten Gebirgslandschaften im „Nationalpark Hohe Tauern“. Der Nationalpark wird meist nur mit dem Großglockner und der Pasterze in Verbindung gebracht. Dass sich aber unweit der Glocknergruppe eine ebenso atemberaubende Landschaft befindet, wissen nur wenige.

Ende August 2009 durchqueren 6 Mitglieder unserer Bezirksgruppe Nürtingen einen Teil der Schobergruppe.Sie genießt den Ruf, noch zu den stillen Regionen der Alpen zu gehören und ist Teil des „Nationalpark Hohe Tauern“.
Sie liegt eingebettet zwischen dem Lienzer Talboden im Süden und der Glocknergruppe im Norden. Der Wiener Höhenweg beginnt an der Winkler Alm und endet am Glockner Haus.
Da wir auf der Winkler Alm kein Quartier bekamen, starteten wir an der Wangenitzseehütte, dem üblichen 2. Stützpunkt des Höhenwegs.

Die Wangenitzhütte (2508m), im Wangenitztal gelegen, war daher unser erstes Ziel. Diese ist die einzige Hütte in den Alpen, welche vom Holländischen Alpenverein unterhalten wird.
Ausgangspunkt war der Parkplatz Seichenbrunn im Debanttal. Dort ist auch die Talstaion der Materialseilbahn der Hütte Wir ließen den Aufstieg zur Hütte gemütlich angehen und erreichten nach 2,5 Stunden die Untere Seescharte (2529 m). Die Sicht auf die nahe Hütte mit Wangenitzsee und Kreuzsee sowie das schöne Wetter lud zu einem längeren Verweilen auf der Scharte ein. Nach einem kurzen Abstieg führte der Weg zwischen den beiden Seen hindurch zur Hütte, wo wir das vorbestellte Quartier beziehen konnten.

Aufstieg zur Wangenitzshütte
Aufstieg zur Wangenitzshütte

Im Gradental, dem nächsten Tal, liegt die Adolf- Noßberger- Hütte, das Ziel des 2. Tages.
Der Weg dorthin führte zunächst in nordwestlicher Richtung hinauf zum Kreuzseeschartl in 2810 m Seehöhe. Nach kurzem Abstieg gab es 2 Möglichkeiten die Noßberger- Hütte zu erreichen. Entweder direkt nach Norden über die Hohe Gradenscharte und dem Holländerweg oder in nordwestlicher Richtung weiter abwärts um die Weißwandspitze herum über die Niedere Gradenscharte.
Wir wählten den Weg über die Niedere Gradenscharte. Dies ist zwar der weitere Weg aber er schien uns sicherer und aussichtsreicher. Nach 4 Stunden und insgesamt 600m Aufstieg erreichten wir auf gutem und teilweise drahtseilgesichertem Weg die Scharte. Diese erwies sich als eine kleine Hochfläche mit einigen kleinen Seen.
Nach ausgiebiger Rast entschloss sich ein Teil der Gruppe den nahen Keeskopf (3081 m) zu besteigen. Der Rest der Gruppe setzte den Weg zur Hütte fort, um Quartier zu machen.
In leichter Blockkletterei, wobei die Wegsuche nicht ganz einfach war, wurde nach einer knappen Stunde das Gipfelkreuz erreicht. Leider verhinderten Quellwolken eine mögliche überragende Aussicht, doch auch der Blick auf den nahen Hochschober, den Roten Knopf, das Ziel des übernächsten Tages, und zur Hütte, entschädigten die Aufstiegsanstrengungen. Über den gleichen Weg ging es zurück zu den Rucksäcken in der Scharte und weiter abwärts, etwas beschwerlich über glattgeschliffene Felsblöcke zur Noßberger Hütte (2488 m), die wir nach insgesamt knapp 8 Stunden erreichten.
Diese Hütte, ebenfalls an einem See gelegen, erwies sich als äußerst gemütlich. Die Frage nach einer Dusche stellte man vergeblich, zur Körperpflege gab es aber genügend kaltes Wasser.

Abstieg zur Adolf- Noßberger- Hütte
Abstieg zur Adolf- Noßberger- Hütte

Zwei Wege gab es dann zur Eberfelder Hütte (2348 m),
unserem 3. Übernachtungsquartier. Der eine direkt über die Klammerscharte (2830 m), der andere, der etwas weitere, über die Hornscharte (2958 m).
Der Weg über die Klammerscharte ist wohl etwas heikler als der über die sehr steile Hornscharte, welcher trotzdem bevorzugt begangen wird. Der Pfad führte anfangs nach Osten an kleinen Seen entlang, bog dann nach einem Höhenverlust von ca. 150m nach Norden ab und führte anfangs steil und im Kar unterhalb der Scharte sehr steil nach oben. Die letzten ca. 50 Höhenmeter ging es am rechten Rand im Fels drahtseilgesichert weiter zur Scharte empor.

Aufstieg in die Hornscharte
Aufstieg in die Hornscharte

Auf der anderen Seite war tief unten die Elberfelder Hütte zu sehen. Auch auf dieser Seite der Scharte ging es anfangs an Drahtseilen entlang sehr steil nach unten bis die Moräne erreicht war, danach führte der Weg gemütlich weiter bis zur Hütte. Zu bewältigen waren 625m Aufstieg und 770 m Abstieg. Da die Hütte nur schwach belegt war, fanden wir genügend Platz in dem uns zugewiesenen Schlafraum.

Abstieg von der Hornscharte
Abstieg von der Hornscharte

Den Roten Knopf (3281 m),
den zweithöchsten Berg der Schobergruppe und Hausberg der Elberfelder Hütte, hatten wir für den vierten Tag vorgesehen.
Die Hälfte der Mannschaft machte sich bei nach wie vor schönem Wetter gegen 8 Uhr auf - dies war unsere übliche Abmarschzeit – um den Roten Knopf zu besteigen. Die anderen legten eine Pause ein, um sich zu erholen oder auch die üblichen Blessuren zu pflegen.
Der Weg führte mehr oder weniger auf dem Südostgrat über 900 Höhenmeter zum Gipfel wobei ca. 50 Höhenmeter etwas ausgesetzt waren und Hand angelegt werden mußte. Wir genossen es ausgiebig, alleine auf dem Gipfel zu sein. Laut Gipfelbuch war am Tag zuvor wohl niemand oben. Die großartige Rundumsicht, vor allem die Aussicht auf den Großglockner, war die Anstrengung des Aufstiegs wert.

Am Gipfel Roter Knopf
Am Gipfel Roter Knopf

Der längste Abschnitt
mit 9 km und einer Übergangshöhe von 2925m führte am vorletzten Tag zur Glorer Hütte (2651 m). Gleich nach Verlassen der Elberfelder Hütte führte der Weg langsam ansteigend Richtung Nordwesten hinauf zum Kesselkeessattel. An der dort befindlichen Gernot-Röhr-Biwak-Schachtel gab es dann eine längere Pause.
Das unweit vom Kesselkeessattel befindliche Böse Weibl, ein Gipfel mit 3121m Seehöhe, weckte die Begierde einiger Teilnehmer. So standen nach knapp 1 Stunde vier der sechs Bergfreunde auf dem Gipfel, welcher leicht über einen Blockgrat zu erreichen war.
Das Böse Weibl bot eine großartige Aussicht über die Dreitausender der Schobergruppe und zum nahen Großglockner.
Zurück auf dem Kesselsattel wurde der Weg hinab zum Peischlachtörl (2484 m) fortgesetzt. Das Peischlachtörl ist ein Übergang vom Kalser Tal im Westen zum Mölltal im Osten. Der Wiener Höhenweg führte von dort gleichmäßig ansteigend um das Kasteneck herum zur Glorer Hütte.
Da es Freitag war, erwarteten wir eine vollbesetzte Hütte. Wir wurden angenehm überrascht, es gab genug Platz und eine überaus gute Verköstigung.

Schnelles Ende der Bergtourenwoche.
In der Nacht zum Samstag, dem letzten Tourentag, hatte es angefangen zu regnen. Da der Regen während des Frühstücks teilweise sehr heftig wurde, beschlossen wir die Tour zu beenden und zum Luckner Haus ab zu steigen. Dies war der kürzeste Weg zu einer Fahrgelegenheit nach Lienz. Die ersten Sonnenstrahlen sahen wir dann erst wieder auf der Heimfahrt in der Gegend von Kufstein.

Wir erlebten schöne Tourentage mit hohen und überaus steilen Übergängen auf einsamen, gut markierten, wenn nötig, versicherten Wegen, umgeben von Zahlreichen Dreitausendern..

Text: Norbert Schur
Bilder: Horst Hanninger, Werner Fischer


INFO

Anfahrt
München-Kufstein-
Felberntauern Tunnel-Lienz

AV-Karte 41 Schobergruppe 1:25000
Alpenvereinsführer Schobergruppe
Prospekte Nationalpark Hohe Tauern
www.hohetauern.at

Wangenitzseehütte
Tel. 0043 4826229
A.- Noßberger-Hütte
Tel. 0043 6649841895
Elberfelder Hütte
Tel. 0043 48242545
Glorer Hütte
0043 664 303 220

Busverkehr
www.postbus.at,
www.hohetauern.at