Skitouren in einem Truppenübungsgelände

Nürtinger Skibergsteiger auf der Lizumer Hütte

Lizumer Hütte (2019m)

Die Wattener Lizum in den Tuxer Alpen, bisher ein weißer Fleck auf unserer alpinen Landkarte, war Ziel der Skitourenwoche Anfang März dieses Jahres. Die Auffahrt aus dem Inntal zum Parkplatz beim Militärlager Walchen (1410m) präsentierte sich gleich in abenteuerlichem Zustand: zwar gut geräumt, aber durch tief eingefahrene Spurrillen in der teils gefrorenen Schneeauflage wurde den Fahrern in den steileren Passagen des schmalen Sträßchens einiges abverlangt. Wir schafften die Strecke gerade noch ohne Schneeketten aufzulegen.

Hochtal Wattener LizumDer Anstieg zur Lizumer Hütte kann entweder auf der Militärstraße erfolgen, wobei immer wieder Fahrzeuge den Skitourengeher stören, oder aber in etwa entlang des Sommerwegs mit nachfolgendem Steilanstieg zu den Gebäuden des Truppenübungsplatzes und von dort in wenigen Minuten zur Hütte. Aufstiegszeit ca. 2,5 Std. Die Hütte liegt in 2019m im Hochtal der Wattener Lizum am südl. Rande eines zum Truppenübungsplatz gehörenden kleinen Dorfes, bestehend aus technischen Einrichtungen, Wohngebäuden, einer kleinen Kapelle, sowie dem Militär vorbehaltenen Skiliften. Wir waren überrascht, am Abend zu erfahren, dass auch die Deutsche Bundeswehr und Truppen anderer NATO-Staaten dieses Übungsgelände nutzen.

Während des Frühstücks am nächsten Morgen hörten wir schon das rattern eines Hubschraubers, der die ersten Soldaten auf das Junsjoch und zu anderen Ausgangspunkten für schöne Tiefschneeabfahrten transportierte: Heliskiing bei der Bundeswehr.Im Aufstieg

Dagegen hieß es bei uns: ohne Fleiß kein Preis. Unser Ziel war für diesen Tag die Torspitze ( 2663m ), ein leicht zu ersteigender Skigipfel, der in ca. zwei Stunden erreicht wird. Wir kreuzten oberhalb der Hütte beim Rosskopf ein Übungsgebiet des Militärs mit Schwerpunkt Stellungsbau und staunten nicht schlecht, als etwa 100m vor uns sich zwei junge Fichten plötzlich bewegten, die winterliche Tarnkleidung der Soldaten kann nahezu als perfekt bezeichnet werden. Die Gipfelaussicht war dann durch leichten Schneefall leider etwas getrübt, dafür jedoch die Abfahrt im tiefen Pulver ein Hochgenuss.

Skigebiet Hintertux und Olperer vom Geier

Die kommenden Tage führten uns bei immer besser werdendem Wetter zum Geier, den mit seinen 2857m höchsten mit Skiern zu besteigenden Gipfel des Hüttenbereichs und zur Torwand ( 2771m ), deren steiler Gipfelaufschwung den Skibergsteigern im letzten Teil einiges abverlangt. Die Abfahrten im noch weitgehend unverspurten Gelände ermöglichten die Erprobung des persönlichen Könnens ganz nach Gusto und nachmittags blieb noch ausreichend Zeit, um nach einer Erholungspause in Hüttennähe den Einsatz der VS-Geräte zur Suche beiVS-Suche Mehrfachverschüttungen zu üben.

Die gute Wettervorhersage und der Lawinenlagebericht ( auf der Hütte morgens ab 08:00 Uhr zur Verfügung ) erlaubten für Donnerstag die Reparaturteam vor der HüttePlanung einer Umrundung der südwestlich der Hütte gelegenen Bergkette, wobei die Route über den Geier ein Stück hinab ins Naviser Tal und über das Klammjoch wieder zurück zur Hütte führt.

So wurde der Geier zum zweiten Mal bestiegen und nachkurzer Pause bei überwältigender Fernsicht ging es westlich hinab zum Staffelsee, der in dieser Jahreszeit nur erahnt werden konnte. Den Weiterweg durch das folgende Schrofengelände und die Felsabstürze unter dem Lizumer Reckner zu finden erwies sich als äußerst schwierig, wir waren offensichtlich die ersten seit längerer Zeit, die sich in diesem Gelände bewegten. Es war bereits Nachmittag und nach ausgiebiger Pause entschlossen wir uns gegen 13:30 Uhr zum Rückzug. Natürlich dann zum dritten Mal über den Geier: "hol´s der Geier", meinte einer der Teilnehmer.

Stubaier Alpen

Erfolgreicher war dann die Besteigung der Grauen Wand ( 2594m ) am nächsten Tag. Noch ein Mal war gutes Wetter angesagt. Zwei Stunden südseitiger Aufstieg, dann hervorragende Sicht vor allem nach Osten, bis zum Dachsteinmassiv. Die Abfahrt nach kurzem Fußmarsch am Grat dann traumhaft auf der Nordseite, eine Tour die zum Abschluss der Woche nicht besser sein konnte.

Erwähnenswert ist durchaus auch die Rückfahrt zu den Fahrzeugen:

Über die sogenannte "Unbenannte Scharte" wollten wir von der Hütte aus westwärts ins benachbarte Mölstal abfahren um auf diesem Weg die Autos wieder zu erreichen. Auf Nachfrage beim Militär wurde uns erklärt, dass sich im oberen Mölstal bereits der "Feind" eingenistet habe, und gerade in dem von uns zu durchquerenden Bereich mit heftigem Schusswechsel zu rechnen sei. Nachdem wir aber auffällig farbig gekleidet seien hätten wir nichts zu befürchten, außerdem werde nur mit Übungsmunition geschossen. So war es dann auch. Wir querten am Samstagvormittag die Unbenannte Scharte und immer wieder knatterten vom Gegenhang die Maschinengewehre. Wir fuhren hinab ins Mölstal, mitten durchs Lager des Feindes und unbehelligt weiter auf einem Wirtschaftsweg fast bis ans Hinterrad unserer Fahrzeuge.


Photos: Hans Bahr, Frickenhausen

Text: Ernst Eberhardt, Frickenhausen