Vier Tage im Rätikon
Vom 20.-23. August 2006 führte die Bezirksgruppe Nürtingen eine Ausfahrt in den Rätikon durch. Trotz des unbeständigen Wetters nahmen 11 Mit-glieder daran teil.
Morgens vor 7...
war die Welt noch in Ordnung, als wir uns auf dem Bahnhof in Nürtingen trafen. Der Himmel war zwar nicht wolkenlos, aber durch Lücken lugte die Sonne hindurch. Auch die Anreise nach Vandans im Montafon mit der Eisenbahn erfolgte problemlos, zwar mit 5-maligem Umsteigen und nach 5 Stunden Fahrt. Leider verschlechterte sich das Wetter mit der Annäherung an die Alpen immer mehr und am Bodensee goss es in Strömen. Bei unserer Ankunft hatten sich die Wolken jedoch größtenteils abgeregnet und es nieselte nur noch. Die ersten 1350 Höhenmeter überwanden wir mit der Kabinenbahn der Illwerke, wobei der Abschnitt Vandans - Latschau nur samstags und sonntags betrieben wird, dafür aber nichts kostet.

Gegen Mittag erreichten wir den Berghof Golm, wo wir eine längere Pause einlegten. Auf Grund der niedrig hängenden Wolken beschritten wir dann nicht den Golmer Höhenweg, sondern wichen auf den niedrigeren Latschätzer Höhenweg aus, hier bewegten wir uns meistens unterhalb der
Wolkengrenze. Im Laufe des Mittags besserte sich das Wetter wieder und der herrliche Talschluss des Gauertals konnte von der Sulzfluh bis zu den Kirchlispitzen überblickt werden.

Am späten Nachmittag erreichten wir unser Tagesziel, die Lindauer Hütte auf 1744 m Höhe, wo wir in 4-er Zimmern untergebracht waren. Wir besichtigten noch den neben der Hütte gelegenen und bestens gepflegten Alpengarten, es blühten jedoch nur noch wenige Blumen.
Am nächsten Morgen ...
das Wetter war wieder wechselhaft, erfolgte der Aufstieg über den Schweizertorweg zum Öfapass auf 2291 m und hinunter zur österreichischen Zollhütte. Dort wurde nur kurze Rast gemacht, bevor durch das Schweizertor, einem Übergang auf die südliche Seite des Rätikon, der schweizerische Rätikon-Höhenweg erreicht wurde. Im Übergang musste ein steiler Felsriegel unter Zuhilfenahme von einbetonierten Klammern und Drahtseilen abgeklettert werden. Leider war das Wetter auf schweizerischer Seite nebliger und es pfiff ein kalter Wind, dazu gab es ab und zu einen Regenschauer.

Der Weiterweg zur Garschinahütte auf 2221 m erfolgte ohne größere Höhendifferenzen über die Almwiesen. Der Einblick in die fast senk-rechten Südabstürze von Drusenfluh und Drei Türme war überwältigend. Kurz vor der Hütte mündete der Drusentorweg in unsere Route ein, ein direkter Verbindungsweg von der Lindauer Hütte zur Garschinahütte. Auf Grund des wechsel-haften Wetters machten wir keine großen Pausen, so dass wir die Unterkunft bereits am späten Nachmittag erreichten.

Mit Lesen und Kniffel-Spielen wurde die Zeit bis zum Abendessen überbrückt. Wie auf schweizerischen Hütten üblich wurde Halbpension gereicht, es gab Suppe, Hackbraten, "Kartoffelstock" (-brei) und gemischten Salat, ganz Hungrige erhielten auch Nachschlag. Die Nacht verbrachten wir in einem großzügigen Lager, das wir alleine belegten.
Der dritte Tag ...
sollte den Höhepunkt bringen: Die Besteigung der Sulzfluh, 2818 m. Leider war das Wetter so schlecht, dass wir am Einstieg zum Gemstobel umdisponierten und den direkten Weg zur Tilisunahütte wählten. Trotz der tiefliegenden Wolken war die Sicht ins Tal, auf den Partnunsee und nach Partnun, möglich. Je mehr wir aufstiegen wurde der Regen heftiger und der Weg glitschiger. Deshalb beeilten wir uns und kamen bereits am frühen Nachmittag auf der Hütte an. Nach einer warmen Suppe bezogen wir unsere 6-er Zimmer und richteten uns häuslich ein. Nachdem es am Spätnachmittag zeitweise aufhörte zu regnen, ließen es sich 3 Bergfreunde nicht nehmen, die Sulzfluh zu besteigen. Sie berichteten nachher grinsend von herrlichstem Wetter mit bester Sicht!! Nun ja, wir haben's aber nicht geglaubt, wahrscheinlich war es "Bergsteigerlatein".
Für den letzten Tag ...
war der Abstieg nach Tschagguns geplant. Nachdem jedoch das Wetter in der Nacht aufklarte (was uns ein alter Hirte am Vortag schon angekündigt hatte), wurde kurzerhand für den Vormittag der Aufstieg auf die Sulzfluh 2818 m geplant und der Abstieg ins Tal auf den Nachmittag verschoben.

Von der Hütte aus waren 600 Höhenmeter zu bewältigen, was einer Zeit von ca. 2 Stunden entspricht, es war also abzusehen, dass die Gruppe gegen Mittag wieder zurück war. Der untere Teil des Weges führte durch Grashänge, weiter oben ging es über ein Karrenfeld.

Der Gipfelaufstieg erfolgte bei strahlendem Der Weg war mit farbigen Markierungen und Steinmännern gut gekennzeichnet.. Sonnenschein aber kühlen Temperaturen, die Sicht war auf Grund der klaren Luft nach dem Regen sehr gut. (Kein "Bergsteigerlatein"!). Der Alpenhauptkamm konnte im Osten von den Ötztaler Alpen bis zum Westen mit den Eisgipfeln der Bernina eingesehen werden, natürlich auch die näheren Berge Vorarlbergs, des Ferwalls und der Lechtaler Alpen
Nach einem kurzen Aufenthalt und der Bestimmung einiger markanter Gipfel wurde der Abstieg vorgenommen und auf der Hütte nochmals eingekehrt. Um die Mittagszeit begannen wir den Abstieg ins Tal, an Schwarzhorn und Tschaggunser Mittagsspitze vorbei nach Grabs.

Nachdem wir bis dahin bereits 1500 Höhenmeter Abstieg bewältigt hatten, fuhren wir mit der Grabser Sesselbahn vollends nach Tschagguns ab. Eine halbe Stunde später bestiegen wir dort wieder den Zug, der uns nach nur 3-maligem Umsteigen wieder wohlbehalten nach Nürtingen brachte.
Durch das herrliche Wetter am letzten Tag mit beeindruckenden Aussichten vom Gipfel der Sulzfluh wurden die Teilnehmer für die vorhergehenden Tage etwas entschädigt. Wir waren zwar müde, aber glücklich!
Text:
Dieter Bopp
Fotos:
Horst und Rudi