Skitourenwoche über dem Lac de la Gruyére
Erwartungsvoll starteten am 16. Februar 2005 vier motivierte Skitourengänger der Sektion Schwaben mit ihrem Führer Ernst Eberhardt in Richtung Genfer See. Das uns unbekannte Schweizer Voralpengebiet versprach herrliche Skigipfel und Skiabfahrten.
Standort für die geplanten Skitouren war das Hotel Vanil - Noir in Grandvillard.
Bei getrennter Anfahrt erreichten Norbert und Hans nach 6 Stunden Grandvillard.
Hermann Ernst und Horst hatten die richtige Autobahnabfahrt südlich Fribourg verpasst und mussten dadurch einen Umweg über den Genfer See hinnehmen.
Die topografischen Kartenblätter 1: 25 000 besorgte Ernst vor Ort in Bulle. Einen guten Tourenauftakt gab es im Hotel gleich zum Abendessen vom Küchenchef Ronald Hostettler. Er verwöhnte uns mit einem Käsefondue.
Bei guter Wettervorhersage begann der erste Tourentag umgehend nach dem Frühstück.

300 m hinter dem Hotel am Ortsrand schnallten wir die Ski an. Nach kurzer VS-Gerätekontrolle stiegen wir den Waldweg hinauf. Mit zunehmender Höhe öffnete sich der verschneite Wald. Wir spurten über tief verschneite Almwiesen, vorbei an Viehställen und Almhütten. Somit gewannen wir rasch weitere Höhenmeter. Mehrmals mussten wir aber Weidezäune übersteigen. Anstrengend stapften wir weiter höher durch den tiefer werdenden Pulverschnee des Gipfelhanges. Noch ein paar steile Kehren und wir erreichten den höchsten Punkt. Am verwitterten Holzkreuz lasen wir: (La Cuâ , 1713 m) Ein herrlicher Panoramablick über die Schweizer Voralpen entschädigte uns für den mühevollen Anstieg. Im Westen überragte "Le Molèson" (2002 m) mit seinem Schigebiet die flacher werdenden Alpenausläufer. Nach kurzer Vesper- und Trinkpause freuten sich alle auf die Abfahrt. Locker wedelten wir in gutem Pulverschnee den offenen Gipfelhang hinab. Weiter talwärts im Wald leitete uns die eigene Aufstiegsspur zielgenau nach Gandvillard zurück.

Am klaren Dienstagmorgen war der Dent du Chamois (1830 m) unser Ziel.
Durch verschneite Waldabschnitte und noch unberührte Pulverhänge legten wir die Spur bis zur Petit Furcola - einem Joch unter dem Gipfelhang. Diesen steilen, hart - da freigeblasenen - Hang im Aufstieg zu überwinden war unangenehm, zumal umgeknickte Bäume und hohe Schneewehen im Schlussabschnitt kein Weiterkommen auf Ski zuließen - also Skidepot.
Die letzten Meter hinauf zum Gipfelkreuz krabbelten und stapften wir im Gänsemarsch.
Treibende Wolkenfahnen, geringe Sicht und eisiger Ostwind drängten uns aber rasch zum Abstieg. 200 HM tiefer in der Sattelmulde war es für die Abfahrt fast windstill. So schwangen wir mal zwischen Bäumen und mal genussvoller in herrlich tiefen Pulverschneehängen sicher ins Tal.
Am Samstag starteten wir bei frostigem und zunächst sonnigem Wetter in südlicher Richtung. Geplant war der Gipfel "Les Millets" (1886m). Über mäßig steilen Waldwegen erreichten wir lockere Baumgruppen in verschneiten Almen. Der latschenbestandene Gipfelrücken zum Millet erhob sich jedoch immer steiler und schmäler, so dass einzelne Stellen nur mühsam skitragend hochgestapft werden konnten. Derweilen war im erneut aufgekommenen Nebeltreiben kein Gipfelrundblick mehr möglich.
Etwas mühsam gestaltete sich die Latschenabfahrt im oberen Hangbereich. Mehr als entschädigt wurden wir aber durch den folgenden Abfahrtsteil im weitgehend unverspurtem Pulverschnee. Zurück im Quartier freuten sich alle über die Wärme in der Gaststube, ein Bier und das 4-Gängemenü mit Pferdesteak.

Zur Halbzeit der Tourenwoche gönnten wir uns am Sonntag einen Ruhetag. Wir besichtigten das mittelalterliche Gruyères mit Burg- und Schlossmuseum. Die Anlage, die zu den prächtigsten der Schweiz zählt, überragt eindrücklich die Kleinstadt. Mittagessen und Stadtbummel in Bulle.
Der Gipfel des Vanil Blanc (1828 m), den wir uns montags vorgenommen hatten, lag westlich des Sarinetales. Kurze Autoüberfahrt zum Startort Albeuve. Der Sonnenschein beim Aufbruch wurde im weiteren Ansteigen von tieftreibenden Wolkenfetzen und einsetzendem Nebel abgelöst. Den Gipfelrücken spurten wir in totaler "Suppe".
Endlich - nach 4 Stunden Aufstieg - am höchsten Punkt: Berg Heil -- Gipfelvesper: doch leider ohne Rundblick. Schade, denn jetzt wären alle Tourgipfel und Abfahrten der Vortage gen Osten gut im Überblick zu sehen gewesen.
Gleichwohl erwartete uns jetzt ein Hochgenuss: die Abfahrt vom Gipfel im lockerem Pulverhang. Tiefer unten im Wald zwängte sich die Abfahrt bald zu engen Ziehwegen zusammen. Langsam, aufeinander wartend, erreichten alle wohlbehalten das Tal. An den Fahrzeugen freuten sich jetzt schon jeder auf ein Panaschee, die Dusche und das Abendessen im Hotel.
Dienstag der krönende Abschlusstag. Unsere letzte Tour sollte der Gipfel "Le Van". (1966m) werden. Der Wettergott meinte es diesmal gut mit uns - endlich strahlendblauer Himmel, Sonnenschein und ungetrübte Fernsicht.

Anfangs entlang der uns wohlbekannten Aufstiegsspuren des ersten Tourtages stiegen wir weiter in nordöstlicher Richtung durch märchenhaft verschneites Fichtengelände. Vom Raureif und Schnee total überzuckerte Bäume begleiteten uns fast wie eine wegversperrendeMauer. Ein Wintermärchen und echter Fotografentraum!

Durch die Zuckertütenfichten leitete bereits eine Spur, welche das Ansteigen erleichterte. Noch ein paar Kehren und Wenden und alle standen zufrieden auf dem Gipfelplateau.
Bei windstillem, klaren Wetter überraschte der Gipfel mit herrlichem Panoramarundblick über die Schweizer Voralpen. Alle Berggipfel und Abfahrtsvarianten der Vortage waren auszumachen.
Nun folgte eine Hangabfahrt vom Feinsten: 600 HM, 1,5 m Pulverschnee, Hang weitgehend unverspurt. Herrliche Schwünge in butterweichem Schnee! Da schlägt jedes Skifahrerherz höher. Das Schlusstag der Tourenwoche hätte nicht besser sein können.
Auf der Sonnenterrasse der Sennhütte "Les Chablets" legten wir Rast und Vesper ein, bevor unsere Gruppe in letzten Schwüngen durch den Wald nach Grandvillard zurückkehrte.
Ein Dorfrundgang und Übersetzungen/Erläuterungen von Ernst Eberhard zu einzelnen prachtvollen Holzhäusern im Dorf beendeten diese herrliche Skitourenwoche.
Bei Schweizer Rotwein schwärmten wir abends beim Menü noch lange von diesem einmaligen Abfahrtserlebnis.
Text und Fotos
Hans Bahr NT
Gruyères Feb. 05
Karten: Cartes nationale de la Suisse : 1:25 000 Edition 2000
Château - D´OEX Nr. : 1245 + Gruyères Nr. : 1225
Hinfahrt : B 27 Rottweil - Donaueschingen - Waldshut, CH - Autobahn Bern - Fribourg - Abfahrt: Bulle Gruyére
Quartier: CH : 1666 Grandvillard Hôtel du Vanil-Noir