Tourenbericht Gran Paradiso


Samstag 8. April - Anreise:

2:00 Uhr ; Um diese Zeit war kaum Reiseverkehr. Auf der ganzen Fahrt durch halb Europa ins verschlafene Val des Rhemes hatten wir nur blauen Himmel. Am Ende der Welt(Straße) war eine Parkmöglichkeit. Über tiefverschneite Straßen führte der Weg zu dem Sommerdorf Thumel hoch und weiter vorbei an Baustellen der Wasserkraftwerke. Am Anfang wurden wir noch von Langläufern überholt, die sich auf einer schönen Loipe austobten oder nach Thumel liefen. An einem Bach entlang durch lichte Lärchenwälder kamen wir zum steileren Teil. Südseitig war an einer Stelle der Schnee geschmolzen, sonst kamen wir ohne Skitragen zur Hütte.


Auf der Hütte wurden wir freundlich empfangen, danach erhielten wir zu fünft ein Sechserzimmer mit zwei Dreifachstockbetten. Nach dem Bezug des Lagers hatten wir endlich Gelegenheit für italienischen Kuchen und Cappuccino. Das Personal war mehrsprachig, da das Aostatal an Frankreich und an die Schweiz grenzt. Abends gab es ein Vier-Gänge-Menu, das wir in zwei Schichten einnehmen mussten, da die Hütte voll war und es zu wenig Sitzplätze in der Hütte hat. Das Essen war sehr gut. Die Hütte ist übers Wochenende mehrheitlich von Italienern besucht, außer uns ist noch eine Gruppe Holländer da. (Jürgen)


Sonntag 9.April - Galizia

In aller Herrgottsfrühe gehts raus in Wind und Wetter, die Sicht lässt sehr zu wünschen übrig.



Vorbei an einem Canyon, den wir rechts liegen lassen, soll es aufwärts gehen, aber wir gehen dann mehr oder weniger am Abgrund entlang, ohne dass es nennenswert aufwärts geht, etwas auf und ab, dann endlich nach ca. zwei Stunden bricht die Sonne durch und wir können unser Tagesziel, die Galizia, ausmachen. Den Gipfel den wir über einen Rücken, einige steileren Hänge und vorbei an einigen Gletscherspalten anstreben und bequem mit den Ski besteigen können.



Nach kurzer Rast geht es abwärts, weil die nächste Wolkenfront naht. Bei sehr mäßiger Sicht geht es abwärts, leider können wir deswegen die schönen Hänge nicht genießen und müssen uns sicherheitshalber immer wieder an der Aufstiegsspur orientieren, um den Weg zu finden. Dadurch sind einige Zwischenaufstiege nötig und der Schnee wird immer feuchter und schwerer. Wir freuen uns, als wir endlich wieder die Schlucht ausmachen können, die uns sicher zur Hütte leitet, wo wir uns auf den Tageshöhepunkt, das ? freuen können. (Franz)

Montag 10. April - Schmuddelwetter:

Wie immer gibt es um 7:00 Uhr Frühstück, heute geht es aber noch ruhiger als sonst zu: wir stecken mitten in den Wolken und es schneit ziemlich nass. Es treibt uns nicht auf Tour, aber wir nützen den Tag, um wie gestern Nachmittag auch schon die LVS-Suche zu üben.



Ansonsten wird viel gelesen, mit dem GPS die morgige Route vorbereitet und Jürgen, Franz und Andreas spielen ausgiebig Skat. Am Abend gibt es wie immer ein hervorragendes Vier-Gänge-Menü bestehend aus Minestrone, Pasta, Fleischgang und einem leckeren dolce. Das Hüttenteam ist nicht nur freundlich und nett, auch seine Kochkünste gehören zweifellos zu den besseren, wenn nicht besten in den Alpen. (Andreas)

Dienstag 11.April - Punta Calabre:

Das morgendliche Procedere hat sich schon gut eingespielt und auch das Wetter zeigt sich heute wieder von seiner besten Seite. Nach einer klaren Nacht ist es noch ziemlich frisch, als wir uns auf den Weg zur Punta Calabre machen. Wir genießen die Sonne und auch die herrliche Landschaft, in der wir unterwegs sind. Besonders beeindruckend ist das Wegstück entlang der Granta Parei, deren Wandflucht sich nur 100 Meter rechts unserer Spur mehrere 100 Meter hoch erhebt. Obwohl es am Vortag etwa 20 Zentimeter geschneit hat, müssen wir nicht spuren, da uns eine schnelle bayerische Truppe schon recht früh überholt hat. Bedingt durch den Föhn, nimmt der Wind ab etwa 3000 Meter kräftig zu, sodass wir auf dem Gipfel keine große Rast machen, sondern lediglich abfellen und den ersten und letzten Mann für die Abfahrt bestimmen.



Bedingt durch den Neuschnee wird sie die beste unserer Woche werden und wir genießen das lockere Schwingen durch den leichten Pulver, der leider langsam schwerer wird, je weiter wir nach unten kommen. (Andreas)

Mittwoch 12. April - Hüttenwechsel:

Heute steht unser Hüttenwechsel an und nach dem Frühstück fahren wir den bekannten Weg hinunter ins Tal. Wegen der schweren Rucksäcke und der verharschten Schneeoberfläche kein Vergleich zur gestrigen Pulverschneeabfahrt. Auf dem Weg von Rhemes-Notre Dame nach Valsavarenche frischen wir noch etwas unsere Vorräte auf und packen um, um uns zeitig auf den Weg zum Rifugio Vittorio Emanuele II zu machen.
Die Frühjahrssonne hat den westlich ausgerichteten Aufstieg schon ziemlich ausgeapert und oft bleibt nur ein schmaler Streifen Schnee, über den die Spur führt. Auch die vielen Serpentinen machen den Aufstieg zunächst nicht zum Genuss. Erst später, als der Hang sich zurücklegt und die Sicht freier wird, können wir ihn mehr genießen.



Wie zu erwarten war, ist die Hütte ziemlich voll und wir müssen wieder einmal in zwei Schichten essen. Die Hütte ist deutlich größer als die Benevolo-Hütte und Charme und Verpflegung kommen nicht an diese heran, aber wir haben auch hier wieder ein Zimmer für uns alleine. (Andreas)

Donnerstag 13. April - Gran Paradiso:

Heute soll(te) der Höhepunkt unserer Tourenwoche kommen mit der Besteigung des Gran Paradiso, mit 4061 Metern der einzige Viertausendergipfel Italiens der ganz auf italienischem Grund steht.

Bereits um 5:30 Uhr rumpelte es über und neben uns in den Kammern, wo sich die ersten Gipfelaspiranten rüsteten. Wir ließen uns noch etwas Zeit und Andreas enteiste zwei Quadratzentimeter des von innen gefrorenen Fensters und gab den aktuellen Wetterbericht: "es sieht saugut aus!" Nach dem Frühstücken (und den obligatorischen Vorbereitungen auf die Tour) stiegen wir an diesem klaren und kalten Tagen in die Spur. Vor uns bewegten sich bereits einige Gruppen, unter anderem auch Schneeschuhgeher am langen und weithin sichtbaren Aufstieg zu Gipfelpyramide. Verlief das Steigen anfangs noch geruhsam, so wurde es zunehmend ungemütlicher durch zunehmend auffrischenden und sich zu Sturmböen steigernden, eiskalten Wind. Der Wind fegte Triebschnee vor sich her, der wie Nadelstiche im Gesicht brannte. Immer wieder drohten die Böen uns aus der Spur zu kippen, insbesondere da diese am harschigen Hang immer schlechter wurde. Überflüssigerweise lösten sich dann auch noch die Felle von Uli und Franz von den Ski. Uli entschloss sich, die Ski zu schultern und zu Fuß die Hälfte der 1300 Meter Höhendifferenz zu erklimmen. Mittlerweile kämpfte jeder sich durch Sturm und aufkommenden Nebel dem imaginären Gipfel entgegen. Irgendwann hat jedes Leiden ein Ende (so auch unseres) als schemenhaft die Gipfelfelsen des Gran Paradiso auftauchten. Da eine Besteigung nicht komplett wäre, ohne der heiligen Madonna, die auf dem Gipfelfelsen steht, einen Besuch abzustatten, kletterten wir überausgesetzte Felsen mit Hilfe fachkundiger Sicherung unserer Skiführer.



Die Abfahrt begann als Blindflug, bis uns weiter unten wieder die Sonne empfing und zu einer wohlverdienten Rast einlud.



Über einige schöne Skihänge erreichten wir



abgekämpft und wohlbehalten die Schutzhütte. Für die wohlverdiente Entspannung sorgte unter anderem die abendliche Skatrunde. (Uli)

Freitag 14. April - La Tresenta und Chiarforon:

Nachdem wir tags zuvor auf dem Gran Paradiso waren, fing der letzte
Tourentag ziemlich entspannt an. 7:00 Uhr ausgiebiges Frühstück und erst deutlich nach 8:00 Uhr brachen wir bei herrlichem Wetter zur La Tresenta auf. Ein Gipfel im Schatten des Gran Paradiso aber trotzdem mit wunderbarem Ausblick. Von der Hütte ging es kurz abwärts entlang der Seitenmoräne des Moncorve Gletschers in Richtung Col de Gran Paradiso. Kurz nach Betreten des Gletschers peilten wir den westlichen Rand der Nord-Westflanke der Tresenta an. Dort brachten uns steile Spitzkehren rasch Höhe und wir standen bald, bei auffrischendem Westwind, am Beginn des Nord-Westkammes. Da der Gipfelbereich ständig dem Wind ausgesetzt ist lag dort sehr wenig Schnee. In ca. 3400m machten wir Skidepot und gingen die letzten 200Hm zu Fuß, über den erwähnten Kamm, zum Gipfel. Oben angekommen wurden wir durch ein herrliches Panorama belohnt.



Direkt im Norden der Gran Paradiso, nordwestlich die Mont Blanc Gruppe, im Westen unser Tourengebiet um die Benevolo Hütte, südwestlich in der Ferne das Dauphine´, weit im Süden markant der Monte Viso und südlich bzw. südöstlich der Dunst über Turin und der Poebene. Nach ausgedehnten Gipfelfotos ging es wieder hinunter zu den Skiern. Nachdem wir unsere Skier an den Rücksäcken befestigt hatten, verließen wir nun die Aufstiegsroute und gingen weiterhin zu Fuß die felsdurchsetzte Westflanke direkt ins Col di Moncorve hinunter.



Bevor sich dort unsere Wege trennten, gab es im Schutze eines Windkolks eine ausgedehnte Mittagsrast. Anschließend fuhren 3 Teilnehmer direkt zur Hütte ab, während sich die andern 2 an die Besteigung des Chiarforon über den Nordwestgrat machten. Zu Beginn ging es im Firn rechts an zwei Felstürmen vorbei, danach über eine griffige Felsstufe. Es folgte kombiniertes Gelände, das wir gesichert in zwei Seillängen überwanden und uns nun auf einer Schneeschulter in ca.3500m befanden. Die letzten 140Hm führte über ein ca. 40° steile Firn und Eisflanke zum Gipfelplateau des Chiarforons. Bei starkem Westwind genossen wir ein zweites Mal das schon bekannte Panorama. Der Abstieg erfolgte über dieselbe Route. Zufrieden mit der alpinistischen Einlage schwangen wir über den Gletscher hinab zum Rifugio Vittorio Emanuele II, wo wir vom Rest der Gruppe empfangen wurden. Den ausklingenden Tag und das Ende einer erlebnisreichen Skitourenwoche genossen wir in der wärmenden Sonne vor der Hütte. (Manfred)

Samstag 15. April: Heimfahrt

Der Heimreisetag begann auch wieder mit strahlend blauem Himmel.



Bevor wir jedoch abfahrtsbereit waren kam schon Bewölkung auf.Wir hatten als Abfahrt die Route des Gran Paradiso Skitourenrennens, das zuerst 40 min Aufstieg, danach einige Hangquerungen und zum Schluß Abfahrt bedeutete.



Die Alternative wäre der Sommerweg, auf dem es schon sommerlich(schneearm)aussah. Unten im Tal wurde das Bachbett doch manchmal sehr eng.



Aber das war besser als die Ski tragen. Im Restaurant neben dem Parkplatz gönnten wir uns vor der Abfahrt noch Kaffee und Kuchen und kauften im Tal noch lokale Verpflegung, Speck, Käse und Reisemitbringsel ein. Nun fing der Regen an, der sich schon die letzten Stunden zusammengezogen hatte. Der Regen begleitete uns bis auf kleinere Ausnahmen nach Hause. Die weite Reise zu dem italienischen Viertausender hat sich gelohnt.



Text
Von allen Teilnehmern
Fotos
Andreas Bopp und Jürgen Stoll




Info:

Hütten:

Rifugio Federico Benevolo, 2285m
ca. 60 Betten und Lager, 9 Lager im Winterraum,
bewirtschaftet zur Skitourensaison
von Anfang März bis Mitte Mai

Rifugio Vittorio Emanuele II, 2732m
ca. 130 Betten
bewirtschaftet von Mitte März bis Ende September

Führer:
Westalpenskitouren, Reinhard Klappert

Gebietsführer Gran Paradiso
Gerd Klotz

Beide Bergverlag Rother

Karte: IGC, Blatt 101, 102;
IGN, Blatt 14, 15


Gruyères Feb. 05




Zum Herunterladen: der Tourenbericht 2006 - GranParadiso
im pdf Format


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